The Jester Race - In Flames (1996)Das 2. Album der Götheburger hatte also den Weg auf meinem IPod gefunden. Wie zu erwarten eine knallharte Melo-Death Platte, die knüppelnde Riffs und mit melodischen Gitarrenläufen mischt und komplett auf cleane Gesangsparts verzichtet. Das Keyboard wird wesentlich seltener und auch dezenter als auf "Colony" (für mich die Referenz, da ich "Whoreacle" ausgelassen habe) eingesetzt, stattdessen wird überraschend häufig von der Akustikgitarre Gebrauch gemacht.
Für jemanden der sich von den modernen Platten auf die Wurzeln der Band zurücktastet, dennoch ein hartes Stück Brot, auf dem man einige Zeit kauen muss bevor es sich verdauen lässt.
Das Album beginnt mit dem für einen Death-Metal Song experimentell anmutenden "Moonshield". Konsequent im 3/4 Takt gehalten beginnt das Lied mit einem akustischem Intro, das danach flüssig von den Stromgitarren aufgegriffen wird und in der Mitte des Songs dann wiederkehrt. Das folgende "The Jester's Dance" gestaltet sich als Instrumentalstück mit hoher Ähnlichkeit zum Opener. Beide Songs überzeugen als melodiöse Midtempostücke.
"Artifacts of the black rain" startet eine Gangart härter mit fetter Doubelbase im Hintergrund, und mündet dann in einem Solo, das sich fast schon nach Power-Metal anhört (Dragonforce lässt grüßen).
"Graveland" ist dann die erste richtige Up-Speed Nummer mit einem sanfterem Refrain (Metalcore lässt grüßen).
"Lord Hypnos" ist dann ein solider Song, der aber nicht groß überraschen kann, da er nach einer Mischung aus dem 1. und 3. Lied klingt.
Als absoluter Nackenbrecher stellt sich dann "Dead Eternity" heraus, das durch seinen großen Facettenreichtum glänzt.
Der Titelsong des Albums glänzt durch einen netten Refrain, klingt ansonsten aber eher durchschnittlich.
"December Flower" hingegen bringt mächtig Schwung mit, bricht mit der typischen Songstruktur und knallt einem ein halsbrecherisches Solo um die Ohren. Für mich der Toptrack des Albums.
"Wayfaerer" ist dann das 2. Instrumentalstück des Albums voller hübscher Melodien.
Das Album beendet das solide "Dead God In Me", in dem es noch einmal richtig zur Sache geht.
Als Bonus Tracks auf der "Black Ash - Edition" finden sich dann noch die 4 Song "Goliaths Disarm their Davids" und "Gyroscope" die gewisse Parallelen aufweisen, aber die Stärken des gesamten Albums unterstreichen sowie ein wunderschönes "Acoustic Medley" und eine Live Version von "Behind Space", das souverän eingespielt ist aber leider durch eine grottige Gesangsperformance des damals ganz frisch hinzu gekommenen Sängers Anders Friden viel verliert.
Alles in Allem verstehen "In Flames" es bereits auf ihrem 2. Album, wie niemand anderes, unglaublich rifflastige Härte und aggresiv gegrowlten Gesang mit den wunderschönsten Melodien zu kombinieren ohne dabei wie auf späteren Alben in die nähe der Pop-Gefilde zu kommen.
Doch bleibt auch diese Platte nicht ohne Makel: Die Melodien der Lieder sind super und gehen sofort ins Ohr, allerdings verlassen sie dieses leider auch sehr schnell wieder. Der "In Flames" typische Suchtfaktor, dass einem die Lieder nach dem Hören immer noch Stunden lang im Ohr liegen, lässt lange auf sich warten.
Die Platte braucht Zeit, um sich von einem soliden Album zu einem echten Giganten zu entwickeln. Bei mir ist sie inzwischen mehr als 12 mal komplett durchgelaufen und bringt mich erst jetzt dazu nur in höchsten Tönen von dieser Platte zu sprechen, was ich mir beim ersten Hören niemals gedacht hätte .
Ob jemand der weder mit dem Genre vertraut ist, noch etwas vom Neueren Werk der 5 Schweden gehört hat, diese Geduld mit so einer Platte aufbringt sei dahin gestellt, für meinen Teil wäre diese Platte wohl eine große Enttäuschung geworden, wenn ich nicht Ähnliches mit "Colony" erlebt hätte, das allerdings weit weniger Zeit braucht, um einen in seinen Bann zu schlagen.
Ein weiterer Minuspunkt ist, dass man von dem guten Konzept, dass hinter dem Album steht relativ wenig mitbekommt (wie man eventuell an meiner Rezension sehen kann). Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob das vielleicht auch einfach nur daran liegt, dass ich mir die CD bei ITunes gekauft habe und somit keine Möglichkeit hatte, einen Blick in das Booklet und auf das Artwork zu werfen.
Fazit: Genre-Vertrauten kann diese Platte einfach nicht nicht bekannt sein, da sie in der Tat nicht umsonst als Meilenstein der Metalmusik zu bezeichnen ist. Sie legt den Grundstein für alles was jüngster Zeit im Metal passiert und bei genauem Hinhören merkt man wie viele der aktuellen Bands wirklich hierher ihre Einflüsse haben. Diese CD ist ein absolutes MUSS für jeden der Metal nun schon seit einger Zeit mag.
Für alle jedoch die bis jetzt den Kontak mit Musik dieser Gangart vermieden haben oder Einstieger ist diese Platte meiner Meinung nach nicht zu empfehlen ohne sich vorher in frischere Werke eingehört zu haben.
1 Kommentar:
Mal ganz abgesehen davon, dass ich mir diese Platte wahrscheinlich nie anhören werde, da es einfach nicht die Musik is auf die ich stehe, find ich den artikel nice geschrieben ;D
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